Ziele niemals mit Laserlicht auf Augen, deine Sicht könnte irreparabel beeinträchtigt werden! Es sei denn du stellst ein Team aus Ingenieuren, Informatikern, Physikern, Medizinern und anderen Expertinnen und Experten zusammen und baust eines der besten Lasergeräte für refraktive Augenchirurgie und Katarakt-Operationen auf dem weltweiten Markt. Dann tue genau das.

Ziemer Ophthalmic Systems AG

Die Schweizer Firma Ziemer Ophthalmic Systems wurde 1998 gegründet und ist in Port nahe Biel anzutreffen. Ursprünglich bestand sie aus zwei Personen, mittlerweile sind es Hunderte. Die Ziemer AG stellt Augenlasersysteme her, welche Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose und Korrektur von Fehlsichtigkeiten und Augenkrankheiten unterstützen. Während fünf Wochen darf ich dort ein Praktikum machen und die Firma besser kennen lernen.

Femto LDV Z8

Das aktuelle Aushängeschild der Firma ist das System Femto LDV Z8. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Femtosekundenlaser. Eine Femtosekunde entspricht 0.000000000000001 Sekunden,

Um eine Vorstellung von der Grössenordung zu bekommen: Während Licht für die Distanz von der Erde zum Mond eine Zeit in der Grössenordnung von einer Sekunde benötigt, legt es in einer Femtosekunde gerade einmal eine Distanz in der Grössenordnung von der Dicke eines menschlichen Haares zurück.
Femtolaser werden ihrem Namen gerecht, da ihre Laserpulse nur gerade eine Femtosekunde lang andauern. Das bringt entscheidende Vorteile in der Anwendung, auf die ich später zurückkommen werde.

Femto LDV Z8
Femto LDV Z8

Der Femto LDV Z8 kann unter anderen in sogenannten LASIK- und Katarakt-Operationen eingesetzt werden. Bei der LASIK-Operation geht es darum, die Form der Hornhaut zu verändern, um Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Tatsächlich macht nämlich die Brechung des Lichts durch die Hornhaut den grössten Teil der Refraktionsstärke des Auges aus, die Linse sorgt dann nur noch für das anpassungsfähige “Fine-Tuning”. Bei der LASIK-Operation wird mit dem Femto LDV Z8 ein sogenannter “Flap” gelasert, eine dünne Lamelle in den oberen Schichten der Hornhaut, die weggeklappt werden kann (der “Flap” ist an einer Stelle immer noch fest mit dem Auge verbunden). Mit einem anderen Laser, einem sogenannten Excimer-Laser, kann dann Gewebe in den tiefer liegenden Schichten der Hornhaut abgetragen werden. Je nachdem ob der Patient kurz- oder weitsichtig ist, wird Gewebe in der Mitte oder aussen am Auge abgetragen, um die Hornhaut flacher oder stärker gekrümmt zu machen. Dann wird der Flap wieder zurückgeklappt und das Auge ist gewöhnlich nach kurzer Zeit und ganz ohne Schmerzen wieder vollständig verheilt, da die äusseren Schichten der Hornhaut intakt gelassen werden. Die Katarakt-Operation (auch “Grauer Star”) ist etwas aufwändiger. Mit dem Femtolaser wird erst ein Loch in die Linsenkapsel gelasert. Dann wird die getrübte Linse mit dem Laser in mehrere Stücke geteilt, um das anschliessende Herausnehmen zu erleichtern. Schliesslich fertigt der Laser noch mehrere Kanäle ins Innere des Auges an, welche der Chirurgin oder dem Chirurgen Zugang zur zerschnittenen Linse gewähren. Anschliessend wird die alte Linse aus dem Auge gesaugt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Ich habe am Ende dieses Beitrages Videos verlinkt, welche die Operationen modellhaft veranschaulichen. Für Unerschrockene gibt es zudem Videos von echten Operationen, man bekommt durch sie eine völlig neue Sicht aufs Auge (pun intended).

Hohe Leistung, niedrige Energie

Wie man sich nun vorstellen kann, soll der Femtolaser sehr präzise und nur ganz lokal Gewebe abtragen. Indem man die Dauer eines Laserpulses so kurz hält, kann die Energie eines Laserpulses niedrig gehalten werden und man erreicht dennoch sehr hohe Leistungen (da Leistung = Energie pro Zeit). Eine hohe Leistung konzentriert auf einen sehr kleinen Bereich wird benötigt, um im Gewebe ein Plasma zu bilden (stark vereinfacht gesagt ist ein Plasma wie ein vierter Aggregatszustand, ein Gas mit ionisierten Atomen und freien Elektronen¹). Das zusammenhängende Gewebe wird lokal aufgelöst. Die durch die Plasmabildung entstehende Schockwelle und die in der Folge entstehende Kavitation (“Bildung und Auflösung von dampfgefüllten Hohlräumen in Flüssigkeiten”²) tragen zudem zur Auflösung des Gewebes bei. Da das Licht des Augenlasers im für die Netzhaut nicht wahrnehmbaren Bereich der Infrarotstrahlung liegt, werden die Sehnerven durch den Augenlaser nicht beeinträchtigt. Zudem können die Laserpulse während der Operation von der Patientin oder dem Patienten nicht wahrgenommen werden.
Nun zurück zur Frage, warum die kurz gehaltenen Femtosekundenpulse einen entscheidenden Vorteil bringen: Die Energie der Laserpulse muss niedrig gehalten werden, da mit zunehmender Energie die ungewollten sekundären Effekte zunehmen, so etwa die Erwärmung des Gewebes. Der Effekt des Pulses verliert dadurch die gewollte Lokalität. Um dennoch bei niedriger Pulsenergie auf die erforderliche Leistung für die Plasmabildung zu kommen, muss die Dauer des Pulses gesenkt werden. Der Femtolaser ward geboren.

Animationen der Operationen

   

Aufnahmen der Operationen (graphic content)
   

Quellen

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